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APS-C und Vollformat (08.12.2019)

Wolfgang Schiefer Sonntag, 8. Dezember 2019 von Wolfgang Schiefer

APS-C und Vollformat

Überlegungen und Erfahrungen zu dieser Kombination

Speziell mit der Canon EOS M50 (APS-C), dem Viltrox Adapter für EF Objektive und "echten" Vollformat Objektiven. Erfahrungsbericht und Einschätzungen. Mal so gar keine Hunde :-(

Canon Mount Adapter EF-EOS M

Ich habe mir zu Anfang, als ich nur eine APS-C Kamera (EOS M50) hatte, auch die Frage gestellt, wie sinnvoll die Investition in eine echtes Vollformat Objektiv sein kann.

Zur M50 gibt es ja den EF-Mount Adapter von Canon, der sowohl EF als auch EF-S Objektive an die M50 adaptiert. Ein rein mechanischer Adapter, ohne jegliche Optik. Die Canon EOS M50 wird damit wie eine APS-C DSLR in die Lage versetzt, jegliche EF Objektive zu verwenden.

Sehr stabile Konstruktion aus Metall und sehr passgenau für den Bajonett Anschluss. Es sitzt alles perfekt und man merkt eigentlich gar nicht, dass man einen Adapter verwendet. Zur Verwendung an einem Stativ hat der Adapter zudem eine eigene Aufnahmeplatte, die aber auch entfernt werden kann. Damit sitzt der Schwerpunkt wieder perfekt und die Kamera wird auch an einem Stativ nicht kopflastig.

Das "Problem", das eigentlich keines ist

Im Prinzip spricht überhaupt nicht dagegen, ein Vollformat Objektiv an einem APS-C Sensor zu betreiben. Man verschenkt nur die Leistung, die das Objektiv anbietet. Denn die Fläche des APS-C Sensors ist im Vergleich weniger als halb so groß (328 zu 864). Mehr als die Hälfte der gelieferten Lichtinformation geht am Sensor vorbei.

Man erhält ein Bild mit dem Cropfaktor 1,6, quasi eine Ausschnitts Vergrößerung des ursprünglichen Vollformatbildes. Ein 24-105mm Objektiv wird somit effektiv zu einem 38-168mm Objektiv. Es ist keine Brennweiten Erweiterung, dieser Effekt kommt durch den kleineren Ausschnitt aus dem ursprünglichen Vollformat Bild zustande. Es geht also Information und auch Licht, welches hätte geliefert werden können, verloren. Andererseits gewinnt man quasi Brennweite mit einem APS-C Sensor. Ein 70-300mm Telezoom wird zum 112-480mm Super-Telezoom, was gerade für Wildlife Fotografie von Vorteil sein kann. Auch bei speziell für APS-C konstruierten Objektiven (EF-S) tritt dieser Brennweitengewinn ein. Man muss quasi bei APS-C Sensoren die Brennweite grundsätzlich "umrechnen" auf eine effektive Brennweite.

Zudem sind Vollformat Objektive natürlich größer und auch schwerer, als vergleichbare EF-S Objektive, da sie natürlich eine größere Fläche mit Licht versorgen müssen und somit größere und schwerere Linsen haben müssen.

Wer also eine DSLR (z.B eine Canon EOS 7D) mit APS-C Sensor besitzt, sollte in entsprechende Objektive investieren, außer man plant später einmal die Anschaffung einer echten Vollformat Kamera. Man wird für gleiches Geld mehr Leistung in einem für APS-C angepassten EF-S Objektiv bekommen, als bei einem echten Vollformat Objektiv an einem APS-C Sensor.

Meine Meinung zu der Frage: "Vollformat Kamera oder APS-C Kamera": Die Sensoren haben sich mittlerweile so weit entwickelt, dass auch kleine Sensoren gute Leistungen bringen. Das sieht man speziell auch an den immer besser werdenden Handy Kameras, die mittlerweile bis zu 100 Megapixel auflösen. Somit ist die Sensorgröße meiner Meinung und Erfahrung nach zweitrangig. Die Vollformat Sensoren sind bei teuren Kameras zu finden, die oft im Profi Segment angesiedelt sind. Somit gibt es dort auch gleichzeitig mehr professionelle Objektive mit sehr starker Leistung zu finden. Ob die Kombination kleine, günstige Kamera mit APS-C Sensor plus hochwertiges Vollformat Objektiv Sinn macht, muss jeder für sich entscheiden, aber klar ist, wenn man sich für APS-C entschieden hat, sollte man auch entsprechend passende Objektive (EF-S) verwenden. Ansonsten nutzt man bezahlte Qualität einfach nicht.

Viel besser und mit gut verständlichen Bildern erklärt es der Profi Fotograf "Der Prinz" hier auf seiner Seite "Vollformat, APS-C und Cropfaktor einfach erklärt".

Die "Lösung" für die M Serie von Canon

Der Viltrox ist ein Mount Adapter ähnlich wie der von Canon, aber im Unterschied hat der Viltrox eine Optik, die das Vollformat Bild des Objektives quasi fast auf APS-C Größe verkleinert. Und ähnlich wie bei einer Lupe wird das einfallende Licht auf kleinere Fläche gebündelt. Einen entscheidenden Unterschied zum Canon Adapter gibt es: Er ist ausschließlich für Vollformat Objektive (die mit dem roten Punkt) geeignet!

Somit hat man aber zwei Vorteile: Einmal wird fast die gesamte Fläche vom Vollformat nutzbar gemacht und zum anderen erhält man eine Blende Lichtgewinn durch die Bündelung des Lichtes. Rein rechnerich hat man immer noch einen geringen Cropfaktor von 1,6 x 0,71 = 1,136, der nur die Randbereiche sehr schmal bescheidet, was bei Zoom Objektiven aber durchaus von Vorteil sein kann, da diese in den Randbereichen oft Schwächen haben. Die effektive Brennweite eines 24-105mm Objektives verändert sich dadurch also nur minimal zu einem 27-119mm Objektiv. Aber ein Blende f2.8 Objektiv wird damit etwa zum f2.0 (genau 1,988) Objektiv!

Ich habe eine Vollformat Kamera Canon EOS 5D Mark II mit ähnlicher Auflösung zum Vergleich mit der M50+Viltrox an verschiedenen Vollformat Objektiven genutzt und konnte selbst bei RAW Aufnahmen kaum mehr nennenswerte Unterschiede feststellen. Durch die höhere Blende mit dem Viltrox konnte die M50 häufig deutlich kürzere Belichtungszeiten nutzen, was natürlich bessere Ergebnisse liefert. Im Viltrox scheint eine sehr gute Optik verbaut zu sein, die als zusätzliches Linsenelement keine bemerkbare Verschlechterung mit sich bringt. Ich habe natürlich keine Laboruntersuchungen durchgeführt, sondern bei schwankenden Bedingungen fotografiert.

Somit sind an der M50 mit dem Viltrox Adapter Vollformat Objektive nutzbar ohne die durch den Größenunterschied der Sensoren verursachten Qualitätsverluste in Kauf nehmen zu müssen. Zusätzlich verbessert sich jedes Vollformat Objektiv um eine ganze Blende.

Geniale Erfindung, unbedingt für die EOS M Serie zu empfehlen.

Die alten Vintage Objektive mit dem Viltrox Adapter

Vor allem werden dadurch alte manuelle "Vintage" Objektive an der M50 sehr gut nutzbar, da die M50 mit der Fokussierungs Unterstützung "Focus Peaking" sowohl im Sucher, als auch auf dem Display die scharfen Bereiche farblich markiert und man somit sehr einfach und vor allem schnell fokussieren kann. Bei einer Spiegelreflex Kamera kann dies nur im Liveview Modus auf dem Display (je nach Modell) markiert werden, aber keinesfalls im Sucher. Durch den Sucher einer Spiegelreflex ist es nicht einfach gezielt manuell zu fokussieren, vor allem, wenn das zu fotografierende Objekt weiter weg ist, oder sich schnell bewegt (wie unsere Hunde).

Das geht natürlich auch mit Vollformat Systemkameras (DSLM), da diese zusätzlich einen elektronischen Sucher haben, um diese "Focus Peaking" Informationen darzustellen. So zum Beispiel mit einer Kamera aus der EOS R Serie. Diese befinden sich aber in einem anderen Preissegment wie eine M50.

Nur an der M50 mit dem Vlitrox wird das abgebildete 135mm f2,8er Objektiv zum f2,0er Objektiv (mit Offenblende), was in lichtschwachen Szenen durchaus von entscheidendem Vorteil sein kann.

Ich bin mir sicher das man mit einer EOS-R und einem solchen Objektiv ähnliche Ergebnisse erzielen wird. Nur leider ist die EOS R fast vier mal so teuer wie eine M50 und da kann ich das Geld lieber in gute oder alte Objektive investieren.

Die Kombination der M50 plus Vlitrox ist somit bei alten Vintage Objektiven einer Spiegelreflex Kamera (egal ob APS-C oder Vollformat) klar überlegen. Erst mit einer Vollformat Systemkamera wird man ähnliche Ergebnisse erreichen können. Ob diese sich qualitativ groß unterscheiden, wage ich zu bezweifeln, denn hier wird der limitierende Faktor klar die Optik sein, die bei diesen alten Objektiven ohnehin sehr "speziell" ist. Aber durch die möglichen kürzeren Verschluss Zeiten mit dem Viltrox sehe ich hier einen klaren Vorteil für die M50 in lichtschwachen Situationen.

Vergleichsbilder alle mit dem SIGMA EX 105mm 1:2.8 DG Macro DSM

"Echte" Vollformat Kombination

Echtes Vollformat

CANON EOS 5D Mark II
und SIGMA EX 105mm 1:2.8 DG Macro DSM
Belichtung : 1/50s
ISO 3200
Blende F 2.8


Hier ist eine reine Vollformat Kombination zu sehen. Die "alte" 5D Mark II wählt hier 1/50s Belichtung.

APS-C+VILTROX

APS-C + Speedbooster mit Vollformat Objektiv

CANON EOS M50
mit VILTROX Speedbooster Mount Adapter
und SIGMA EX 105mm 1:2.8 DG Macro DSM
Belichtung : 1/125s
ISO 3200
Blende F 2.0

Hier die M50 mit dem Viltrox. Sehr nahe an der Vollformat Kombi dran. Auch die Belichtung ist mit 1/125s sehr gut. Durch die sehr offene Blende sind die Schärfebereiche deutlich ausgeprägter.

APS-C mit Vollformat Crop

APS-C mit Vollformat Objektiv

CANON EOS M50
mit CANON EF-M Mount Adapter
und SIGMA EX 105mm 1:2.8 DG Macro DSM
Belichtung : 1/80s
ISO 3200
Blende F 2.8

Hier tritt der Cropfaktor x 1,6 ein. Dadurch effektive Brennweite 168mm. Das Objekt "rückt" näher ran. Gleichzeitig bei Blende 2.8 etwas längere Belichtungszeit, aber immer noch kürzer als bei der 5D Mark II, was vermutlich aber am lichtempfindlicheren Sensor der M50 liegen mag.

Vergleichsbilder alle mit dem SIGMA EX 105mm 1:2.8 DG Macro DSM

Fazit

Da hier mit relativ unterschiedlichen Kameras gearbeitet wurde, was die Modernität der Sensoren und dessen jeweilige Lichtempfindlichkeit angeht, können im Prinzip nur die letzten beiden Bilder gut verglichen werden. Hier wird die "Wirkung" des VILTROX Speedboosters gut sichtbar, der die M50 sehr nah an eine echte Vollformat Kamera bringt. Die kürzere Belichtungszeit ist ein weiterer klarer Vorteil. Ob man nun eine reine Vollformat Kombination vorzieht, oder den VILTROX an einer M50, ist zum einen eine Geldfrage, aber ganz sicher auch Philosophie. Ein Profi wird sich die Frage hingegen kaum stellen, außer er wählt die M50 mit dem VILTROX zur Backup Kamera, was sicher eine gute und preisgünstige Variante ist.

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